Meisterhaft jugendlich – Notos Quartett brilliert im Debüt von Deutschlandfunk Kultur heute um 20:03 Uhr

Programmhinweis

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Meisterhaft jugendlich

Das Notos Quartett im Debüt von Deutschlandfunk Kultur heute um 20:03 Uhr

 

Dem in Berlin ansässigen Notos Quartett eilt der Ruf als „Nachwuchskünstler des Jahres 2017“ beim ECHO Klassik voraus. Am Mittwochabend gab das Quartett mit Sindri Lederer, Violine, Andrea Burger, Viola, Philip Graham, Violoncello, und Antonia Köster, Klavier, im Kammermusiksaal der Philharmonie sein umjubeltes Debut. Nach dem schmissigen Rondo alla Zingarese als Schlusssatz des Klavierquartetts Nr. 1 im Tempo „Presto“ von Johannes Brahms jubelte das Publikum, bis es noch eine Zugabe gab.

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© Uwe Arens

Zu hören – und zu sehen, soviel bietet dann doch ein Konzertbesuch mehr – waren vier junge Musikerinnen und Musiker, die seit 10 Jahren in Berlin zusammenarbeiten und die Kunst des kammermusikalischen Quartettspiels zur Perfektion entwickelt haben. Was macht das Genre Kammermusik so besonders? Das Klavierquartett erfordert vier Musiker*innen, die solistische Qualitäten haben, auf das Spiel im Tempo und Akzentuierung aufeinander hören und sich gegenüber dem meist dominanten Klavier als Streicher zurücknehmen, aber auch durchsetzen können. Das klingt kompliziert. Und das ist es auch!

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Die Dominanz des Klaviers im Kompositionsgenre Klavierquartett wird schon darin deutlich, dass der Komponist und Pianist Johannes Brahms bei der Aufführung in Wien im November 1862 brillieren wollte, um dort eine Anstellung als leitender Musiker zu finden. Dafür wählte er sein Klavierquartett Nr. 1 in g-Moll. In der Uraufführung des Stückes 1861 in Hamburg hatte niemand geringeres als Clara Schumann die spieltechnisch anspruchsvolle Komposition für Klavier gespielt. Antonia Köster spielt ebenfalls beherzt und auf höchstem Niveau den Part im Klavierquartett. Doch sie dominiert nicht zu stark. Auch die Streicher mit vor allem Philip Graham am Violoncello setzen sich vor allem im Rondo alla Zingarese durch.

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© Uwe Arens

Brahms‘ Klavierquartett greift ungarische Melodien auf und lässt sie in einem temperamentvollen Rondo nach „Zigeunerart“ kulminieren. Die ungarischen Melodien und „Zigeunerweisen“ werden zu einer kunstvoll, dynamischen Konzertsaalmusik, die hohe Spielanforderungen stellt, um eine Gefühlsspektrum zwischen einer leichten Niedergeschlagenheit und temperamentvollem Aufbegehren zu entfalten. Die Kadenz des Rondos am Piano und in den Streichern muss um die Mitte des 19. Jahrhunderts ungeheuer mutig und modern gewesen sein. Sie grenzt an Atonalität, weshalb vielleicht gerade Arnold Schönberg 1937 eine Orchestrierung für großes Orchester komponiert hat.

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Man kann sich beim Klavierquartett Nr. 1 g-Moll, op. 25 von Johannes Brahms fragen, insbesondere wenn es vom Notos Quartett gespielt wird, ob es um ein romantisches Gefühlskolorit geht. Oder geht es doch vielmehr um eine ungeheuer moderne Musik? Die Modernität des Klavierquartetts läge dann darin, dass sich die differenzierte Komposition zugleich sehr poppig anhört. Das ist ein schmaler Grat zwischen Kitsch und Kunst, den das Notos Quartett sehr genau trifft. Die Gefühle werden nicht verraten. Doch die jungen Musiker*innen führen auch hoch engagiert vor, wie kompliziert sie gemacht werden.

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Zu Beginn des Konzertes spielt das Notos Quartett das Klavierquartett Es-Dur, op. 47 von Robert Schumann aus dem Jahr 1842. Auch hier spielte Clara Schumann die Uraufführung. Und schon bei Robert Schumann geht es um Gefühle. Im Unterschied zu Brahms hat Schumann sein Konzert in der hohen, hellen, ja, frischen Tonart des Es-Dur komponiert. Und es war Clara Schumann, die obwohl Robert Schumann fast an der komplizierten Komposition verzweifelte und schlaflose Nächte hatte, im Scherzo des zweiten Satzes die Jugendlichkeit las, spielte, hörte und formulierte. Das Scherzo hört sich wie eine sich wiederholende Spieluhr an. Doch das Leichte und Jugendliche ist immer Klavierquartett eben besonders schwierig und erfordert von den Musiker*innen höchste Konzentration, gegenseitigen Respekt und technisches Können, was das Notos Quartett mühelos leistet.

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Die Echoes of Schumann als Uraufführung von Garth Knox nehmen ganz konkret Bezug auf Robert Schumanns Klavierquartett. Sie werden noch vor der Pause gespielt. Garth Knox hat in einem der führenden Quartette, dem Arditti Quartet sieben Jahre lang selbst die Bratsche gespielt. In gewisser Weise ist die Bratsche im Quartett zwischen Violine und Violoncello fast noch stärker benachteiligt. Gerade deshalb hat Garth Knox das Klavierquartett in traumartiger Weise als Echos aufgelöst. Der unscharfe Bereich der Echos setzt im Quartett sozusagen einen ebenso witzigen wie anspruchsvollen Reigen der Ersetzungen in Gang.

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Im Traum tritt an die Stelle des Geträumten immer etwas anderes. Nach und nach verlassen die Musiker*innen ihren Platz und tauschen ihre Instrumente ein. Das lässt sich im Mitschnitt nicht so genau hören. Doch es stellt die eigentliche Herausforderung für die Mitglieder des Notos Quartetts dar. Andrea Burger verlässt die Bratsche und lauscht auf der Violine nach, was sie gerade in Schumanns Klavierquartett gehört hat. Antonia Köster nimmt die Bratsche, nachdem sie das Klavier verlassen hat. Philip Graham, der das Violoncello gespielt hat, schlägt einzelne Klaviertasten an. Und der Geiger Sindri Lederer nimmt schließlich das Violoncello, nachdem er schon einzelne Klaviersaiten nachhörend gezupft hatte.

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Bei den ECHO-Preisen weiß man nie so genau, ob hier nun der Markt neue Musiker durch geschicktes Marketing hochspült oder ob die Qualität den Preis rechtfertigt. Oft sind die Preisträger vom vergangenen Jahr wieder schnell verschwunden. Doch schon beim Berliner Gastspiel von Yury Revich, „Nachwuchskünstler des Jahres 2016“, in der Kreuzberger Kirche St. Thomas im Sommer überzeugte vor allem das Weltniveau des Geigers. Obwohl Yury Revich oder eben das Notos Quartett noch nicht als Weltstars bekannt sind, überzeugt das Notos Quartett in seinem Genre auf Weltniveau.

 

Torsten Flüh

 

Debut

Notos Quartett
Deutschlandfunk Kultur
12. Januar 2018 ab 20:03 Uhr

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